Selune
hat ihr Gesicht abgewandt. Natürlich gilt das für alle, nicht nur
für sie – schließlich ist Neumond. Dennoch kommen ihr die Worte,
die sie von Tarr'Tkarr gelernt hat, diese Nacht leer vor. Nein,
nicht leer, eher – fern. Selune ist weit. Oder liegt es
an ihr? Sicher liegt es an ihr! Was hält die Göttin von dem, was
sie getan hat? Was würde Tarr'Tkarr davon halten, wenn er es wüsste?
Würde er sich dann auch von ihr abwenden?
Was hat der
Hauptmann in ihr gesehen? Sie weiß es nur zu genau, aber wie konnte
er – nach der kurzen Bekanntschaft? Marek hat
verdient, was er bekommen hat. Soll sie sich etwa dafür
entschuldigen, dass sie triumphiert hat, weil er seiner gerechten
Strafe zugeführt wurde?
Nein, sie findet es nicht gut, was Barendt mit dem Gefangenen gemacht hat. Folter ist widerlich. Aber - wie weit wäre sie bereit zu gehen? Wäre sie imstande gewesen, Moram die Rippen zu brechen, um den Aufenthaltsort Uvos herauszufinden? Nun, es wäre vielleicht nötig gewesen, ihn etwas härter anzupacken, und gebrochene Rippen heilen auch wieder. Auch herausgerissene Zehennägel verkrüppeln einen Menschen nicht auf Dauer. Und für Uvo wären die schlimmsten Qualen der Hölle nicht genug. Aber das ist schließlich etwas anderes. Für das was er getan hat, hat er nichts Besseres verdient.
Nein, sie findet es nicht gut, was Barendt mit dem Gefangenen gemacht hat. Folter ist widerlich. Aber - wie weit wäre sie bereit zu gehen? Wäre sie imstande gewesen, Moram die Rippen zu brechen, um den Aufenthaltsort Uvos herauszufinden? Nun, es wäre vielleicht nötig gewesen, ihn etwas härter anzupacken, und gebrochene Rippen heilen auch wieder. Auch herausgerissene Zehennägel verkrüppeln einen Menschen nicht auf Dauer. Und für Uvo wären die schlimmsten Qualen der Hölle nicht genug. Aber das ist schließlich etwas anderes. Für das was er getan hat, hat er nichts Besseres verdient.
Der Gefangene
hingegen hat versucht, die Banditen, die ihn und seine Karawane
überfallen hatten, in eine Falle zu locken. Hätte sie auch
versucht, an seiner Stelle. Also hat er das nicht verdient? Immerhin
war er ein Bane-Priester. Mochten die Götter wissen, welche Greuel
er begangen hatte. Die Welt war zweifellos besser dran ohne
ihn.
Was hätte sie
tun sollen – ihn mitschleifen, wohl wissend, dass jede Bewegung ihm
bei seinen Verletzungen Höllenqualen bereitet hätte? Sie hätte
nicht wagen können, seine Arme ungefesselt zu lassen, schließlich
hat sie gelernt, dass Gesten für Zauberwirker offenbar notwendig
sind. Und ein Spruch gehört auch dazu, also hätte man ihn besser
noch geknebelt. Denn ob er auch noch ein heiliges Symbol gebraucht
hätte, so wie Thorain, ist sie sich nicht sicher – er hatte
immerhin dieses Zeichen auf seine Brust tätowiert. Hätte sie ihn
etwa tragen, füttern und ihm den Hintern abwischen sollen – einem
Bane-Priester? Der nur darauf gewartet hätte, dass sie einen
einzigen, kleinen Fehler macht?
Aber selbst
wenn sie ihn mitgeschleppt hätte – spätestens auf der Flucht
hätte sie ihn zurücklassen müssen. Also wozu die Mühe, die seine
Qualen doch nur unnötig verlängert hätte? Und was mit dem Leichnam
passiert ist, zeigt doch wohl nur zu deutlich, mit welch finsteren
Mächten er sich eingelassen hat. Ob er sie mit seinen letzten Worten
verflucht hat? Als ob sie dafür einen Bane-Priester gebraucht hätte!
Dieser letzte Blick aus den eisblauen Augen...
Es war ohnehin
nur ein Test. Barendt wäre niemals so dumm gewesen, einen
Bane-Priester, den er gefoltert hat, am Leben zu lassen, damit er
sich später rächen kann. Hätte sie ihn nicht getötet, wären sie
beide in dieser Höhle gestorben, soviel ist sicher. Nicht wahr?
Sicher werden die anderen das verstehen. Das müssen sie. Werden
sie? Und wenn schon – sie hatte schließlich keine Wahl! Nicht
wirklich. Nicht...
Sie starrt in
den Nachthimmel und hält vergebens nach einem Lichtschimmer
Ausschau. Aber es ist bewölkt. Die Nacht ist finster. Und es ist ohnehin Neumond.
EXP: je SC 350
6 Wegelagerer (CR 3/800, 2 Veteranen (CR 2/600)
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