Dienstag, 24. April 2012

[Kapitel 1] Das Unheiligtum der Dunkelzwerge


7 Flammruul, Im Jahr der Harfe, 1355 n.T., Selûne steht im dritten Viertel (Tag 17 nach Neumond) 

Als sie am nächsten Morgen aufbrechen, sehen sie immer noch eine dünne Rauchsäule von dem Zollhaus aufsteigen, daher entschließen sie sich für einen Weg querfeldein. Nach ein paar Stunden gelangen sie an eine Stelle, wo einige Krüppelkiefern wachsen. Da erspähen sie von Ferne die Silhouette des Lindwurms, der aus der ungefähren Richtung Sturmholts aufsteigt und in der Richtung, in der sie sich bewegen, hinter dem Gebirgskamm verschwindet. Sie beschließen, weiterzugehen, in der Hoffnung, die bewaldeten Stellen zu erreichen, ehe er seine Runde beendet hat.
Sie gelangen an eine Spalte im Felsboden. Finn überspringt ihn, doch unter Meridias Füßen bröckelt der Fels ab, und sie stürzt in die Spalte, wobei sie sich leicht verletzt. Boras klettert ihr nach, um ihr zu helfen, dabei bemerkt er in der Wand einen Riss, der weiter ins Berginnere zu führen scheint. Meridia legt einen Lichtzauber auf einen Stein, und mit seiner Hilfe kann er erkennen, dass sich hinter dem engen Riss ein offenbar sehr großer Raum auftut. Vor der Öffnung zu dem Raum ragt ein silbrig glänzendes Metallstück in die Öffnung, das jedoch abgebrochen zu sein scheint. Neugierig geworden, klettern auch die anderen in die Spalte. Boras kriecht mit dem Leuchtstein in die Spalte und späht über die Kante in den Raum, wobei ihm der Mund offen stehen bleibt: der Raum ist gewaltig, und das glänzende Metallstück ist der abgebrochene Finger einer gigantischen Statue, die offenbar einen Dueregar-Gott darstellt, der mindestens 25 Schritt hoch ist und mit ausgestreckten Armen an der Wand steht, mit langem, geflochtenem Bart und einem spitzen Helm auf dem Kopf.
Bei dem Metall scheint es sich um Adamantin zu handeln – das kostbarste Metall, das es überhaupt gibt! Allerdings ist rätselhaft, wovon der Finger abgebrochen sein kann, da Adamantin außerordentlich hart ist.
Sie knoten Boras und Finns Seile zusammen, dann lässt Boras sich als erster in den Raum hinab. Als er etwas zu ihnen hinauf ruft, flammt plötzlich ein rötlich – violetter Lichtschein auf, der jedoch keinen bestimmten Ursprung zu haben scheint. Er beleuchtet einen kathedralenartigen Raum von mindestens hundert Schritt Durchmesser mit einer gewaltigen Kuppel, die auf etlichen an der Wand aufgereihten Säulen ruht; die Wände sind über und über mit zwergischen Runen bedeckt. Der Boden ist von großen, rechteckigen Bodenplatten aus feinstem Marmor bedeckt.
Gleichzeitig mit dem Licht ertönt ein leises, aber tiefes und dröhnendes Summen, das eher als Vibrieren in der Brust gefühlt als gehört wird.
Nacheinander lassen sich auch die anderen in den Saal hinab. Es scheint keine Zugänge zu geben; der durch den sie gekommen sind ist offenbar auf natürliche Weise durch eine Erdbewegung entstanden. Die Höhle scheint schon seit sehr langer Zeit von niemandem mehr betreten worden zu sein.
Sie suchen nach geheimen Türen, werden jedoch nicht fündig. Boras findet jedoch die abgebrochene Fingerspitze und steckt sie ein – auch dieses Stück ist ein Vermögen wert!
Meridia betrachtet die Bodenplatten, die auf den ersten Blick völlig symmetrisch zu sein scheinen, jedoch bei näherer Betrachtung Unregelmäßigkeiten aufweisen – die Winkel sind nie ganz rechtwinklig. Auf diese Weise entsteht ein verwirrendes, irgendwie dreidimensionales Bild. Sie macht die anderen darauf aufmerksam. Dann scheint ihre und Boras Perspektive plötzlich zu kippen – sie nehmen wahr, dass in Wirklichkeit überall scharfe Kanten und spitze Dornen sind, die in den Raum hineinragen, auch ist der Boden nicht etwa plan, sondern schräg und bildet alle möglichen schiefen Winkel und Vorsprünge. Die verzerrte Struktur des Bauwerks reißt an den Nerven und verwirrt die Sinne. Es fällt ihnen schwer, sich einen Weg durch den Raum zu bahnen, ohne sich an den scharfen und spitzen Kanten zu verletzten. Boras schneidet sich an einem Steinkegel, sein Blut tropft auf den Boden und wird von einer weißen Marmorader aufgesogen: sie verfärbt sich zuerst rosa, dann wird sie wieder weiß. Die Statue scheint plötzlich rotglühende Augen zu haben, und die Arme sind nicht etwas ausgestreckt, sondern verkrümmt und nach vorne gebogen, als sei sie im Begriff zuzupacken! Auch scheint sie nicht mehr aus Adamantin zu bestehen, sondern aus schwarzem Eisen. Sie hält in der einen Hand einen Streitkolben, auf den etliche humanoide Skelette aufgespießt sind...
Damon, Finn und Tara bemerken nichts dergleichen, aber für Boras und Meridia sieht es aus, als vollführten die Gefährten die merkwürdigsten Verrenkungen, um den Spitzen und Dornen auszuweichen.
Meridia versucht ihnen zu erklären, wie der Raum wirklich beschaffen ist, und demonstriert dies, indem sie sich absichtlich den Finger an einer emporragenden Steinspitze ritzt. Der Blutstropfen fällt herab und wird von dem Stein aufgesogen, für die anderen macht dies den Anschein, als verschwinde er mitten in der Luft...
Tara fühlt sich sichtlich unwohl – sie sehe zwar nicht, was Boras und Merida wahrnähmen, doch spüre sie etwas Böses. Laut Damon ist das, was die Dueregar anbeten, eher ein Dämon als ein Gott.
Boras verlässt die Höhle als erster und muss sich draußen erst einmal übergeben. Die anderen folgen ihm nach. Als sie den abgebrochenen Finger der Statue betrachten, stellen sie fest, dass er aus schwarzem, kaltgeschmiedeten Eisen besteht...
Damon vermutet, dass es sich um ein Unheiligtum der Dueregar handeln muss, vielleicht eine Opferstätte. Die Magie des Raumes ist womöglich erst durch ihre Anwesenheit ausgelöst worden. Was haben jedoch die Dueregar so weit an der Oberfläche gemacht?
Schließlich klettern sie wieder aus dem Spalt nach oben, um ihren Weg fortzusetzen. Boras befindet sich als letzter unten, als plötzlich über ihnen ein schriller Schrei ertönt: der Lindwurm ist aufgetaucht, und sein Reiter hüllt sie in ein klebriges Netz ein!
Finn versucht sich aus dem Netz zu befreien, Meridia schleudert eine Feuerkugel und beginnt, das Netz abzubrennen. Damon richtet einen Blitzkugel auf den Lindwurm und seinen Reiter, die diese aus der Luft holt: sie stürzen den sehr steilen Abhang hinunter, sich mehrfach überschlagend. Der Sattel reißt, und der Magier stürzt ab, schwebt jedoch die letzten Meter sanft zu Boden. Benommen bleiben beide liegen.
Tara schlittert sich den Abhang hinab und greift den durch den Sturz bereits schwer verletzten Lindwurm an. Finn hat sich durch das brennende Netz gekämpft und schießt, trifft jedoch nicht. Der Magier macht sich unsichtbar.
Tara tötet den Lindwurm. Die anderen rutschen ebenfalls den Abhang hinunter und suchen nach dem Magier, doch die Spur verliert sich nach kurzer Zeit auf dem harten Felsboden. Was nun: zurück zum Zollhaus oder weiter in der ursprünglichen Richtung? Meridia wirft eine Münze, und sie kehren, diesmal auf dem Weg, zum Zollhaus zurück, finden es jedoch genauso vor, wie sie es verlassen haben.

EXP: je SC 600
Lindwurm (CR6/2400)