7 Flammruul, Im Jahr der Harfe, 1355 n.T., Selûne steht im dritten Viertel (Tag 17 nach Neumond)
Als sie am nächsten Morgen aufbrechen, sehen sie immer noch eine dünne Rauchsäule von dem Zollhaus aufsteigen, daher entschließen sie sich für einen Weg querfeldein. Nach ein paar Stunden gelangen sie an eine Stelle, wo einige Krüppelkiefern wachsen. Da erspähen sie von Ferne die Silhouette des Lindwurms, der aus der ungefähren Richtung Sturmholts aufsteigt und in der Richtung, in der sie sich bewegen, hinter dem Gebirgskamm verschwindet. Sie beschließen, weiterzugehen, in der Hoffnung, die bewaldeten Stellen zu erreichen, ehe er seine Runde beendet hat.
Sie gelangen an
eine Spalte im Felsboden. Finn überspringt ihn, doch unter Meridias
Füßen bröckelt der Fels ab, und sie stürzt in die Spalte, wobei
sie sich leicht verletzt. Boras klettert ihr nach, um ihr zu helfen,
dabei bemerkt er in der Wand einen Riss, der weiter ins Berginnere zu
führen scheint. Meridia legt einen Lichtzauber auf einen Stein, und
mit seiner Hilfe kann er erkennen, dass sich hinter dem engen Riss
ein offenbar sehr großer Raum auftut. Vor der Öffnung zu dem Raum
ragt ein silbrig glänzendes Metallstück in die Öffnung, das jedoch
abgebrochen zu sein scheint. Neugierig geworden, klettern auch die
anderen in die Spalte. Boras kriecht mit dem Leuchtstein in die
Spalte und späht über die Kante in den Raum, wobei ihm der Mund
offen stehen bleibt: der Raum ist gewaltig, und das glänzende
Metallstück ist der abgebrochene Finger einer gigantischen Statue,
die offenbar einen Dueregar-Gott darstellt, der mindestens 25 Schritt
hoch ist und mit ausgestreckten Armen an der Wand steht, mit langem,
geflochtenem Bart und einem spitzen Helm auf dem Kopf.
Bei dem Metall
scheint es sich um Adamantin zu handeln – das kostbarste Metall,
das es überhaupt gibt! Allerdings ist rätselhaft, wovon der Finger
abgebrochen sein kann, da Adamantin außerordentlich hart ist.
Sie knoten
Boras und Finns Seile zusammen, dann lässt Boras sich als erster in
den Raum hinab. Als er etwas zu ihnen hinauf ruft, flammt plötzlich
ein rötlich – violetter Lichtschein auf, der jedoch keinen
bestimmten Ursprung zu haben scheint. Er beleuchtet einen
kathedralenartigen Raum von mindestens hundert Schritt Durchmesser
mit einer gewaltigen Kuppel, die auf etlichen an der Wand
aufgereihten Säulen ruht; die Wände sind über und über mit
zwergischen Runen bedeckt. Der Boden ist von großen, rechteckigen
Bodenplatten aus feinstem Marmor bedeckt.
Gleichzeitig
mit dem Licht ertönt ein leises, aber tiefes und dröhnendes Summen,
das eher als Vibrieren in der Brust gefühlt als gehört wird.
Nacheinander
lassen sich auch die anderen in den Saal hinab. Es scheint keine
Zugänge zu geben; der durch den sie gekommen sind ist offenbar auf
natürliche Weise durch eine Erdbewegung entstanden. Die Höhle
scheint schon seit sehr langer Zeit von niemandem mehr betreten
worden zu sein.
Sie suchen nach
geheimen Türen, werden jedoch nicht fündig. Boras findet jedoch die
abgebrochene Fingerspitze und steckt sie ein – auch dieses Stück
ist ein Vermögen wert!
Meridia
betrachtet die Bodenplatten, die auf den ersten Blick völlig
symmetrisch zu sein scheinen, jedoch bei näherer Betrachtung
Unregelmäßigkeiten aufweisen – die Winkel sind nie ganz
rechtwinklig. Auf diese Weise entsteht ein verwirrendes, irgendwie
dreidimensionales Bild. Sie macht die anderen darauf aufmerksam. Dann
scheint ihre und Boras Perspektive plötzlich zu kippen – sie
nehmen wahr, dass in Wirklichkeit überall scharfe Kanten und spitze
Dornen sind, die in den Raum hineinragen, auch ist der Boden nicht
etwa plan, sondern schräg und bildet alle möglichen schiefen Winkel
und Vorsprünge. Die verzerrte Struktur des Bauwerks reißt an den
Nerven und verwirrt die Sinne. Es fällt ihnen schwer, sich einen Weg
durch den Raum zu bahnen, ohne sich an den scharfen und spitzen
Kanten zu verletzten. Boras schneidet sich an einem Steinkegel, sein
Blut tropft auf den Boden und wird von einer weißen Marmorader
aufgesogen: sie verfärbt sich zuerst rosa, dann wird sie wieder
weiß. Die Statue scheint plötzlich rotglühende Augen zu haben, und
die Arme sind nicht etwas ausgestreckt, sondern verkrümmt und nach
vorne gebogen, als sei sie im Begriff zuzupacken! Auch scheint sie
nicht mehr aus Adamantin zu bestehen, sondern aus schwarzem Eisen.
Sie hält in der einen Hand einen Streitkolben, auf den etliche
humanoide Skelette aufgespießt sind...
Damon, Finn und
Tara bemerken nichts dergleichen, aber für Boras und Meridia sieht
es aus, als vollführten die Gefährten die merkwürdigsten
Verrenkungen, um den Spitzen und Dornen auszuweichen.
Meridia
versucht ihnen zu erklären, wie der Raum wirklich beschaffen ist,
und demonstriert dies, indem sie sich absichtlich den Finger an einer
emporragenden Steinspitze ritzt. Der Blutstropfen fällt herab und
wird von dem Stein aufgesogen, für die anderen macht dies den
Anschein, als verschwinde er mitten in der Luft...
Tara fühlt
sich sichtlich unwohl – sie sehe zwar nicht, was Boras und Merida
wahrnähmen, doch spüre sie etwas Böses. Laut Damon ist das, was
die Dueregar anbeten, eher ein Dämon als ein Gott.
Boras verlässt
die Höhle als erster und muss sich draußen erst einmal übergeben.
Die anderen folgen ihm nach. Als sie den abgebrochenen Finger der
Statue betrachten, stellen sie fest, dass er aus schwarzem,
kaltgeschmiedeten Eisen besteht...
Damon vermutet,
dass es sich um ein Unheiligtum der Dueregar handeln muss, vielleicht
eine Opferstätte. Die Magie des Raumes ist womöglich erst durch
ihre Anwesenheit ausgelöst worden. Was haben jedoch die Dueregar so
weit an der Oberfläche gemacht?
Schließlich
klettern sie wieder aus dem Spalt nach oben, um ihren Weg
fortzusetzen. Boras befindet sich als letzter unten, als plötzlich
über ihnen ein schriller Schrei ertönt: der Lindwurm ist
aufgetaucht, und sein Reiter hüllt sie in ein klebriges Netz ein!
Finn versucht
sich aus dem Netz zu befreien, Meridia schleudert eine Feuerkugel und
beginnt, das Netz abzubrennen. Damon richtet einen Blitzkugel auf den
Lindwurm und seinen Reiter, die diese aus der Luft holt: sie stürzen
den sehr steilen Abhang hinunter, sich mehrfach überschlagend. Der
Sattel reißt, und der Magier stürzt ab, schwebt jedoch die letzten
Meter sanft zu Boden. Benommen bleiben beide liegen.
Tara schlittert
sich den Abhang hinab und greift den durch den Sturz bereits schwer
verletzten Lindwurm an. Finn hat sich durch das brennende Netz
gekämpft und schießt, trifft jedoch nicht. Der Magier macht sich
unsichtbar.
Tara tötet den
Lindwurm. Die anderen rutschen ebenfalls den Abhang hinunter und
suchen nach dem Magier, doch die Spur verliert sich nach kurzer Zeit
auf dem harten Felsboden. Was nun: zurück zum Zollhaus oder weiter
in der ursprünglichen Richtung? Meridia wirft eine Münze, und sie
kehren, diesmal auf dem Weg, zum Zollhaus zurück, finden es jedoch
genauso vor, wie sie es verlassen haben.
EXP: je SC 600
Lindwurm (CR6/2400)
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