Freitag, 24. Februar 2012

[Kapitel 1] Persönliche Aufzeichnungen des Damon Mondeval, Nr. 1

23 Kythorn - 1 Flammruul, Im Jahr der Harfe, 1355 n.T.

Im Folgenden findet der Benutzer das erste Fragment aus den persönlichen Aufzeichnungen des Damon Mondeval. Offenbar war der Autor zu diesem frühen Zeitpunkt noch um die Findung der rechten Form bemüht. Die inkonsequentiellen Äußerungen zu Beginn waren im Manuskript von zahlreichen Federzügen ausgestrichen, sind hier zur Gewinnung eines angemessenen Eindrucks aber wiederhergestellt. Das Fragment wird hier aus u.g. Gründen nicht in voller Länge wiedergegeben. Apparat am Ende.

"Liebes Tagebuch"

(Autor an Autor: finde besseren Titel!)

Viel passiert. Wo beginnen? Ansprache in T.G., wahrscheinlich. Ja. Also, was ging mir durch den Kopf, als ich dastand und den Leuten von einer besseren Zukunft erzählte? Zuversicht, sicher. Sieht nicht gar so schlecht aus, guter Wind hat vier Kämpfernaturen zusammengeweht. Mit bisschen Hilfe wird es gehen. Hoffe ich, sonst stehe ich lächerlich da, nicht, dass das dann noch einen Unterschied macht. Voreilig war's, keine Ahnung, wie viele Goblins etc. noch ausstehen. Wollte den Leuten Hoffnung machen, die leben so ein trauriges Dasein, mit diesem erbärmlichen Großbauern, der sie nur für ihre Arbeitskraft schätzt. Hmm, wollte sicher auch gut aussehen dabei, aber "Eitelkeit steht hochherziger Gesinnung nicht notwendig im Weg" und all das, nicht wahr? Kenne Deine Schwächen, und dann lass Dich von ihnen nicht auf den falschen Weg bringen, die Lektion immerhin habe ich begriffen. Also, nochmal, Rede in T.G.: Vielleicht etwas voreilig, aber gutgemeint, und ich glaube wirklich, dass wir es schaffen können. Vielleicht nicht Sturmholt selbst befreien und neu aufrichten, aber doch, den Leuten ein besseres Leben zu ermöglichen. Das sollte doch wenigstens drin sein...

(Autor an Autor: strukturierter schreiben, Chabub[1] nochmal! Mit solchen Notizen kannst Du in ein paar Monden gar nichts mehr anfangen. Von vorne!)

Geschehnisse:
Wir verließen Eichenfels mit den letzten Überlebenden. Es gab keinen Grund für sie, hierzubleiben, sie hatten alles verloren, und unser Versprechen, in Tiefengrund ein neues Zuhause für sie zu finden, nahmen sie dankbar, aber resigniert an. Wir brachten sie in T.G. tatsächlich unter und wandten uns nach Elturel, wo ein paar Besorgungen auf uns warteten.
U.a. verkauften wir gefundene Güter und erwarben Pferde für uns, um schneller zwischen E. und Sturmholt hin- und herreisen zu können. In E. suchte ich in Begleitung T.s und M.s (F. scheint die Stadt nicht so zu mögen, und das scheint auch auf Gegenseitigkeit zu beruhen) die Tröstende Hand im Kloster der Trias auf. Der erklärte sich gern bereit, den Flüchtlingen aus E.F. in T.G. zu helfen.
Nach etwas hin und her stellte sich auch heraus, dass Tara Blutherz sich freuen würde, uns zu begleiten, die T.H. froh wäre, sie loszusein, und wir jede Hilfe brauchen können. Kurz, Tara begleitet uns von nun an, bis eine andere Mission sie in den Dienst ihrer Kirche abberuft. Jonas Eisenlicht binden derzeit leider immer noch seine Richterpflichten, aber vielleicht wird er sich bald wieder uns anschließen.

Eine Audienz beim Stadtfürsten Helm Cordona zu bekommen, erwies sich nach etwas hartnäckigem Nachhaken als erstaunlich leicht. Der hat zwar gerade eigene Sorgen, zeigte sich unserer Sache (der Befreiung der ehemaligen Ländereien von Sturmholt von allen schädlichen Gesellen, die dort ihr Unwesen treiben) aber nicht abgeneigt. Auch nicht gerade zugeneigt, aber immerhin können wir auf sein prinzipielles Wohlwollen zählen. Wir werden sehen, was das wert ist.
Ein neuerlicher Besuch in T.G. gab mir Gelegenheit, zu den Sturmholter Flüchtlingen zu sprechen. Vielleicht etwas vorschnell, aber in guter Absicht habe ich ihnen versichert, dass wir alles daransetzen würden, ihre alte Heimat zu befreien und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie schienen einigermaßen überwältigt, aber etwas Skepsis scheint noch dazusein, etwa bei F.s Schwester. F.s Tochter ist ein ganz normales Mädchen (irgendwie hatte ich ein missgestaltetes Monster erwartet, angenehme Enttäuschung), sehr nett.

Nach unserem Aufbruch am selben Tag verlief der erste Reisetag zurück in die Höhle des Löwen erfreulich, wenn man von einem Zwischenfall gegen Abend absieht: Banditenüberfall, in der Gegend wohl ein nicht so seltenes Übel. Da mein Pferd leider in die Fallschlinge der Banditen geriet, verbrachte ich den Großteil der kurzen Zeit, die wir zu ihrer Beseitigung benötigten, leider auf dem Bauch, im Straßenstaub. Aber da sie nicht einmal zahlenmäßig wesentlich überlegen waren, brachten wohlplazierte Zauber von M. und mir, F.s Pfeilkunst und T.s Wallebruoder die Sache schnell zu unseren Gunsten zu Ende. Tara hat nur zugesehen, glaube ich - hoffen wir, dass das nicht so weitergeht.
Außer ein paar Schrammen und verletztem Stolz meinerseits ist aber nichts passiert, und zumindest dieser Straßenabschnitt wird einige Zeit lang etwas sicherer sein. Ich verstehe allmählich, wofür der Shaundakul-Kult wandernde Kampfpriester braucht!

Gedanken zum Geschehen:
Audienzen bei einem Tempelvorsteher und dem Fürsten einer nicht ganz unwesentlichen Stadt. Das ist also das Niveau, auf dem ich mich jetzt bewege? Interessant und spannend ist es allemal, ich fühle mich nur immer noch wie ein Aufschneider (auch wenn den anderen nichts aufzufallen scheint). So wird aus einem Gossenjungen und Wüsteneremiten einer, der Dinge bewegt. Oder, was bisher leider noch der Fall ist, lediglich davon träumt. Aber der Wind hat sich gedreht, und jetzt bin ich am Zug.
Das scheinen auch alle von mir zu erwarten, was mir vor ein paar Tagen noch Angst gemacht hat. Aber die Sache in E.F. hat mich überzeugt: Irgendjemand muss ja etwas tun, und offenbar bin ich (zumindest im Vergleich mit anderen) nicht so machtlos und planlos, wie ich angenommen hatte. Vielleicht wirkt da immer noch die alte Zeit in Calim-Hafens Unterstadt nach - aber jene Zeiten sind jetzt ein- für allemal vorbei!
Die Rede in T.G. war dann die logische Folge, und eigentlich nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Merke: Wenn Dir etwas richtig bevorsteht, Du richtig Angst davor hast, dann tu es am besten gleich. Ich hoffe nur sehr, dass ich den armen Leuten jetzt nicht Erwartungen geschürt habe, dass es heute oder nächsten Zehntag schon soweit ist, und dann ist die ganze Welt in Ordnung, weil der Erbe von Sturmholt (Herrje...) sich darum gekümmert hat.

Magiebezogenes:
Der Meister hatte recht. Man muss rausgehen und die Welt erfahren, wenn man seine Studien vertiefen will. Paradox, aber zutreffend: Beim Einsatz von Blitz und Sturm unter lebensbedrohenden Bedingungen habe ich mehr gelernt als in mondelangen Transkriptionen alter Bas-Reliefs oder nächtelangem Brüten über der Semantik von zwei, drei alt-alzhedanischen ermallas[2]. Steckt vielleicht ein Hexenmeister in mir, der raus will...
Aber Scherz beiseite: Die potente Symbolik der kleinen Hexe hat schon mächtig Eindruck auf mich gemacht, das muss ich zugeben. Was für eine Verschwendung, dass sie offenbar paki[3] Verständnis für das hat, was sie da tut, und es nicht mal in Worte fassen kann. Nun ja, vielleicht kann man daran noch arbeiten.
Was mich am Nachhaltigsten beeindruckt hat, war natürlich die ungeheure Tiefe eines Symbols wie der Kugel, besonders nach diesem Geschehen an den stehenden Steinen auf der Rückreise von E.F. - jammerschade, dass es sich nun doch um ein malignes Artefakt zu handeln scheint (drachenthematisch, aber das sagt bekanntlich noch nicht viel), anstatt lediglich um ein Ergogrammaton[4]
Immerhin, es hat sie auf Ideen gebracht. Das hochvolatile feurige Element zwecks genauerer Kontrolle in eine Kugel einzuschließen und ihm so einen definen Ort und eine define Gestalt zuzuweisen, erscheint kontraintuitiv, aber wenn sie es hinbekommt, sollte es mir auch möglich sein. Eine Windsphäre, ein "Auge des Sturms" etwa, benötigte dazu die Aufgabe des Gedankens, dass ein Wind von "woher" weht und Blätter, Staub, Gerüche etc. "wohin" mit sich fortträgt. Reicht denn nicht für das Konzept des Windes bereits die schiere Bewegung?
Allerdings bedürfte die Aufrechterhaltung ventueller Dynamik bei gleichzeitiger Einschließung in eine Sphäre (sagen wir mal, wenigstens an die drei Fuß groß, kleiner müsste noch schwieriger werden) wohl einer Kraftquelle wenigstens dritter Ordnung, um nicht in Augenblicken zusammenzubrechen, und das rhetma[5] einer solchen verlangte vom Wirkenden eine ikonisch stabilisierte H-H-H-Bahn ungefähr folgender Spezifikation: ....

Der Rest des vorliegenden Fragments war dem Kompilator unverständlich und z.T. unübersetzbar, da mit mehr und mehr drakonischen und auch alt-alzhedanischen Begriffen durchsetzt, weshalb der Benutzer dessen Weglassung an dieser Stelle vergeben möge.

Apparat:
[1] Besonders heftig Staub aufwirbelnder, abradierender Wüstenwind, oft in Wirbel- oder "Staubteufel"-Form. Hier offenbar im Sinne eines Expletivs gebraucht.
[2] Archaisches Silbenzeichen, im modernen Alzh. nicht mehr in Gebrauch.
[3] Alzh.: 0, null.
[4] Zur Kanalisierung magischer Energien benötigtes, hochgradig individuelles Symbol, welches oft, aber nicht notwendig, Ausdruck in einem physischen Objekt findet.
[5] Unbekannter Ausdruck, offenbar alt-alzhedanisch (?). 

EXP: je SC 300
6 Briganten (CR 4/1.200)

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