Freitag, 20. Mai 2011

Die Herzlande

ein Bericht von Jaime Silberschwinge, Windbote des Shaundakul

Die Herzlande. So nennt der Kundige die nahezu unberührte Wildnis zwischen den Sturmhörnern Cormyrs im Osten und den Wogen der südlichen Schwertküste im Westen. Im Norden grenzen furchtbare Sümpfe und die unendliche Anauroch, im Süden liegen die Reichtümer Amns und die Ländereien der Drachenküste.


Für ungezählte Händler aus Sembia, Amn und Tiefwasser sind die windgepeitschten unberührten Weiten bloß ein endloses Meer von Grün, sanft steigenden Hügeln, unpassierbaren Sümpfen und Mooren und gewaltigen einsamen Wäldern. Schnell durchqueren sie es auf breiten Handelswegen und die Nächte verbringen sie in ummauerten Gasthöfen, blind sind sie für die Größe des Landes.

Für das Volk, das sich in dieser alten und unberührten Landschaft nieder gelassen hat, die Bauern, Jäger und mutigen Edelleute, für sie sind die Herzlande Heimat. Sie sind ein starkes, ein unabhängiges Volk, das sich in umwallten Dörfern und befestigten Gehöften, sicheren Burgen und Klöstern und einigen wenigen großen Stadtstaaten sammelt. Hier gilt Mut, Tatkraft und Geschick mehr als ein großer Name oder edles Geblüt. Und doch ist auch ihr Blick auf dieses, ihr Land eng, denn sie sehen nicht seine Schönheit, seine unbezwungene Weite, sondern sie achten nur die Krume, die es zu bestellen, den Wald, den es zu roden, und die Weide, die es zu umzäunen gilt vor den Geschöpfen der Wildnis.

Für die Diener des Windreiters jedoch ist es das gelobte Land. Denn hier, so heißt es, wurde Shaundakul geboren, einer heimat- und namenlosen Vistana zum Sohn, auf staubigem Weg - nicht mehr als eine Spur im Gras. Und auch heute noch gilt dem Land und seinen Reisenden die Liebe der Helfenden Hand, denn über Tage hinweg findet der Reisende nichts mehr als Schattierungen wogenden Grüns um ihn und einen weiß bewölkten Himmel über ihm. Warme Winde streichen über die Gräser und umspielen seine Nase, tragen mit sich die Düfte tausender Meilen. Nächte im Freien, in grillenbesungener Sommernacht, geben den Blick frei auf die große See funkelnder Sterne und wenn Selunes silbriger Schein sich über die Hügel und Wälder legt, dann wirken die Herzlande ihre Magie. Danne erfasst der Reisende, was dem Händler in seinem Gasthof und dem Bauern in seiner Kate entgeht: Nirgends sonst ist der Mensch freier als hier, in Shaundakuls eigenem Reich.

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